Äthiopien - Völker des Südens




Der Reisebericht Afrika Expeditionen Äthiopien basiert auf zwei aufeinander folgenden Reisen mit verschiedenen Allrad-LKW’s durch den Südteil des Äthiopischen Riftvalleys und den äußersten Südwesten des Landes bis hin zur Omoregion. Die Wiederholung der Reise schien angezeigt, einmal um die Naturerlebnisse und die einzigartigen Eindrücke bei den Begegnungen mit den auch heute noch relativ ursprünglich lebenden Volksstämmen zu vertiefen und zum anderen, um solche Gebiete eingehender zu erkunden, die bei der ersten Reise wetterbedingt auch mit einem Allradfahrzeug nicht oder nur unter schwierigsten Bedingungen erreichbar waren.

Addis Abeba
Die Reise beginnt in Addis Abeba, der Hauptstadt des Landes. Die Stadt liegt 2.400m hoch in einem Talkessel, umgeben von einer 2.200 – 2.700 m hohen, bewaldeten Bergkette. Das Land ist dreimal so groß wie Deutschland.

















Die erste Nacht verbringen wir im Hotel, am folgenden Tag ist ein ausgiebiger Stadtbummel vorgesehen. Alle Vorbereitungen betr. Fahrzeug, Ausrüstung und Lebensmitteleinkäufe waren bereits abgewickelt, so dass einer zügigen Abreise nichts im Wege steht.
















Sodere
Am ersten Tag wollen wir uns nicht allzu viel an Fahrerei zumuten. Wir verlassen Addis in südlicher Richtung. In dem Ort Mojo teilt sich die Straße, nach Süden verläuft die Rift Valley- oder Moyale-Road (Keniagrenze) – auf der wir später weiterfahren werden - und nach Osten die Awash-Road, die entlang des Awashflusses nach Nazret und Sodere führt. Im Awashtal liegt das größte Weinanbaugebiet Äthiopiens (toller Weißwein!). Zehn Kilometer nach Mojo sehen wir rechts der Straße am Horizont den Lake Koka, den nördlichsten der im äth. Rift-Valley gelegenen Seen, der in der Sonne glitzert. Am Ufer des Awashflusses bei den heißen Quellen von Sodere (1.400m), unweit des Recreation Centers, schlagen wir zum ersten Mal die Zelte auf.


Nach dem Zeltaufbau laufen wir zu den heißen Quellen hinüber, deren Wasser in zwei Schwimmbecken gefasst wurde. Ein Bad im heißen Wasser und ein anschließender Waldspaziergang bringen uns wieder auf Vordermann.

Das Rift Valley in Äthiopien
Zwischen dem Roten Meer und den südlichen Teilen des Riftvalley in Kenia, Tansania und Malawi liegt das zentrale Hochland von Äthiopien, ein Gebirgsmassiv mit vulkanischem Ursprung. Im nördlichen Teil des Tals liegen die Seen Koka, Ziway, Langana, Abiata und Shala, im südlichen Teil des Landes folgen die Seen Awasa, Abaya und Chamo . Wie auf einer Perlenkette ziehen sich die Seen durch das gesamte Riftvalley. Das Wasser der meisten Seen ist mehr oder weniger sodahaltig. Nur der Baringo- und der Naivaha-See in Kenia enthalten reines Süßwasser. Abgesehen von Flamingos bieten die Sodaseen Lebensraum nur für ganz wenige Tiere. Eine Ausnahme bietet der Turkanasee in Kenia, der nur sehr geringfügig sodahaltig ist. Das gesammte Riftvalley hat eine Länge von etwa 8.000 km. Von Sodere aus gelangen wir nun wieder auf die Rift Valley-Road, der wir in den nächsten Tagen nach Süden folgen.

Ziway See
Der Ziway-See (600qkm) ist mit einer Ausdehnung von 29x20 km der größte See im äthiopischen Riftvalley.


Die Flüsse Meki und Catar fließen im Norden zu, der Bulbulafluss fließt im Süden ab und mündet später in den Abiata-See. Der Zukuala-Vulkan (ca. 3.000m) ist die einzige Erhebung im Bereich des Sees. Ein Sumpfgürtel, der aus Papyrus und Bermudagras besteht, rahmt den See ein.


Große Teile des Seeufers sind von einem undurchdringlichen Teppich aus Wasserhyazinthen, die dem Fischfang in dem besonders fischreichen See (Tilapia) sehr hinderlich sind, überzogen. Wir machen eine Rast und streifen ein wenig durch die Umgebung. Bei einem Fischer decken wir uns schon einmal mit Fisch ein.


Lake Abiata und Lake Shala
Nach dem Einkauf geht es weiter südwärts, vorbei an Agavenplantagen, Getreidefeldern und Rinderherden. Fast zeitgleich erblicken wir rechts den Abijata- und links den Langano-See.
Nach dem kleinen Ort Bulbula überqueren wir den Bulbula River und kurze Zeit später den Hora Kelo River. Nach dem Fluss biegt rechts eine Pisteab. Hier befindet sich das Dole-Gate, der Haupteingang zum Rift Valley Lakes - Nationaklpark.



Der Park, der hauptsächlich dem Schutz der artenreichen Vogelwelt und der eindrucksvollen Landschaft dient, wurde bereits 1970 eingerichtet und liegt auf einer Höhe von 1.450m – 1.750m, im engsten und unwirtlichsten Teil des Riftvalley. Die Oberfläche der Seen bedeckt fast die Hälfte der Fläche des Nationalparks. Auf einer schmalen Anhöhe zwischen den beiden Seen liegt die Campsite, von der aus man einen spektakulären Rundblick über Seen hat.


Am Gate hat man uns einen bewaffneten Ranger zugeteilt, ohne den wir den Park nicht hätten betreten dürfen. Mit ihm können wir uns hier frei bewegen und bei Wanderungen in der die Umgebung der Seen kann er uns führen – und uns vor wilden Tieren (die es hier nicht gibt!) schützen. Zunächst wollen wir den Abiata-See (240qkm) besuchen.


In Begleitung des Rangers machen wir uns auf den Weg bergab zum Ufer des Sees, der von drei Flüssen gespeist wird, aber nur einen Abfluss hat. Trotzdem hat sich die Größe des Sees enorm verringert. Seine Uferregion ist ohne jeglichen Baumbestand, kleinere Akazienwäldchen finden sich erst in einiger Entfernung. Der See, nur etwa 10-15m tief, ist sehr sodahaltig und so wundert es nicht, dass sich hier eine größere Flamingopopulation angesiedelt hat.



Überall in Ufernähe und im See selbst haben sich kleinere und größere Grasinseln gebildet. Wir verweilen einige Zeit und lassen die eindrucksvolle Stille, die nur vom Krähen der Flamingos unterbrochen wird, auf uns wirken. Dann wandern wir zurück zu unserem Camp in luftiger Höhe.
Am nächsten Tag steigen wir über steile Querrinnen und schmale, ausgetrocknete Wadis hinab zum Shala-See, um die heißen Quellen zu sehen, die sich unmittelbar am Seeufer befinden und deren heißes Wasser sich dort in den See ergießt.



Die steilen Hänge und die Uferregion des Sees sind im Gegensatz zum Abiata-See dicht bewachsen, vor allem mit Akazien- und Kakteenbäumen.


Der See, über 300qkm groß und über 260m tief, hat einen Umfang von über 100km. Im See, der extrem sodahaltig ist, gibt es quasi keine Fische. Die im Bereich des Sees lebende Bevölkerung vom Stamm der Oromo ist daher gezwungen, sich Fisch aus dem Ziway- oder dem nahe gelegenen Langano-Sodasee (1.600m hoch, 24x15Km groß) zu holen.




















Am Seeufer angekommen, treffen wir sogleich auf eine Vielzahl von Quellpunkten, die die umliegende Landschaft mit heißen Dampfschwaden benebeln.
Einheimische sind hier mit ihren Rindern und einige von ihnen sitzen in runden Bassins, die sie mit Schlamm von dem heißen Wasser abgetrennt haben, wodurch sich das Wasser abkühlen kann – ein einfaches aber wirkungsvolles Verfahren.










Wir laufen herum und etwas oberhalb des Seeufers treffen wir auf ein paar Hütten der Oromo. Nach einem kurzen Besuch machen wir uns wieder auf den Weg hinauf zu unserem Camp, wo wir uns am Abend an dem gigantischen Sonnenuntergang über dem Shala-See und der Pelikaninsel erfreuen.


Wondo Genet
Bald erreichen wir den größeren Ort Shashemene (2.000m), wo wir die Rift Valley-Road verlassen werden. Shashemene ist die Hauptstadt der Rastafaris, deren geistiges Oberhaupt Selassie, der Negus Negesti, ist. Der Bestand an Vorräten wird überprüft und zu Teilen ergänzt, vor allem Obst und Gemüse, das unterwegs nur begrenzt zu bekommen ist. Bevor es weiter nach Südwesten in Richtung Arba Minch und Konso geht, machen wir einen Abstecher nach Osten zu den 17km entfernten bekannten und beliebten Thermalquellen von Wondo Genet (2.050m). Hier hatte einst die Tochter des Kaisers Haile Selassie ihr Sommerhaus, das inzwischen als Informationszentrum genutzt wird. Der Ort liegt inmitten von Bergregenwald.


Die Gegend ist ein Vogelparadies und es gibt sehr viele Colobusaffen. Ein gemauerter Pool mit heißem Wasser bietet Gelegenheit für ein Bad, die wir natürlich gerne nutzen. Im Schatten einer Baumgruppe bauen wir unser Camp auf. Viele kleine Pfade ziehen sich durch die Berglandschaft und geben immer wieder den Blick frei auf die faszinierende Landschaft. Am Wegesrand gibt es auch vereinzelte kleine, sprudelnde Quellen.







Eingebettet in die Waldzone liegt ein kleines Dorf, wo die Bewohner den Wald gerodet und sich so Platz für ihre Hütten, einige Äcker und eine kleine Bananenplantage geschaffen haben. Wir besuchen das Dorf und die freundlichen Leute zeigen uns gerne ihr Zuhause.








Shashemene – Arba Minch – Lake Abaya – Lake Chamo
Am nächsten Morgen geht es zunächst zurück nach Shashemene, wir überqueren die Rift Valley-Road und fahren dann in südlicher Richtung weiter über Sodo Richtung Arba Minch. Bald erreichen wir den Nordteil des Abaya-Sees, dem wir bis Arba Minch folgen. An der Straße treffen wir des Öfteren auf Leute, die Fisch verkaufen und diese Gelegenheit nehmen wir wieder wahr, um uns für unser nächstes Camp mit Fisch einzudecken.


Der Verkäufer lässt es sich nicht nehmen, die Fische für uns auszunehmen und wir lassen ihn gewähren. Es muss hier vor kurzem geregnet haben, denn unsere Piste wird langsam immer feuchter und plötzlich fahren wir auf ein Schlammloch zu, in dem sich ein LKW festgefahren hat. Wir bieten unsere Hilfe an, aber die Leute wollen es alleine versuchen.


Zum Glück haben wir den schlechten Streckenabschnitt bald hinter uns.


Bevor wir nach Arba Minch hineinfahren, machen wir am Straßenrand Mittagspause und sind bald von einer Menschentraube umringt. Wir werden neugierig beäugt. Die Distrikthauptstadt Arba Minch (1.285m) ist erreicht. Die Lage der Stadt ist einmalig. Sie ist auf drei Seiten von hohen Berghängen umgeben. Vor den Toren der Stadt liegt der Eingang zum Nechisar-Nationalpark (500qkm, 1.100-1650m hoch).
Zum Nationalpark gehören die Hügellandschaft zwischen dem Abaya- und dem Chamo-See sowie Teile der Uferregion und der Seen. Der Abaya-See ist mit 1.000qkm der größte See des Rift-Valley und der zweitgrößte Äthiopiens. Der südlich gelegene Chamo-See ist von sandigen Ufern gesäumt.




Urwaldähnlicher Wald bedeckt die Landschaft zwischen den Seen, sowie die Nechisar-Ebene und die Ufer des Kulfoflusses. Auf dem höchsten Punkt des Hügels liegt ein Campingplatz, von dem aus man einen wunderschönen Blick auf die beiden Seen hat. Wir entscheiden uns natürlich dafür, hier zu übernachten.





Der wilde Süden

Arba Minch - Konso
Die Straße von Arba Minch nach Konso ist eigentlich – von Ausnahmen abgesehen – nur in der Trockenzeit befahrbar. Es sind mehr als zehn Flüsse oder Bäche zu überqueren, es stehen aber nur ganz wenige Brücken zur Verfügung. Zunächst fährt man durch Buschland, dann werden aber Baumwoll- und Getreidefelder sowie Bananenplantagen immer häufiger.

Am Straßenrand finden wir einen Stand, an dem man Holzkohle verkauft und hier ergänzen wir unseren zur Neige gehenden Vorrat. Wir halten schon seit geraumer Zeit Ausschau nach einem geeigneten Platz zum Campen und kommen zu einem größeren Bach mit einem malerischen Wasserfall. Im Bereich des Baches gibt es eine größere Fläche mit hohem, trockenem Gras, die sich zum Zeltaufbau eignet. Mit der Feuerstelle müssen wir allerdings besonders vorsichtig sein, um Funkenflug zu vermeiden.

Nach dem Dorf Elgo verlässt man allmählich das Tal des Segenflusses und eine anstrengende Fahrt bergauf in Richtung Konso beginnt. Kultivierte Flächen mit Maisfeldern und Plantagen werden von Buschland abgelöst. Dann erreichen wir schließlich das Hochland von Konso.
Das Hochland von Konso besteht fast ausschließlich aus steilen Hängen und um es bearbeiten zu können, mussten Terrassen angelegt werden, durch die der Erosion vorgebeugt wird.


Diese Art der Landbebauung ist überall in den bergigen Regionen Äthiopiens üblich. Der Ort Konso ist knapp tausend Meter hoch gelegen. Ein Rundgang durch das Dorf und seine Umgebung ist ein einzigartiges Erlebnis und er bietet gigantische Ausblicke auf die terrassierten Berghänge.

Bei guter Sicht kann man sogar bis zum Rift Valley hinüber sehen. Die Bevölkerung in diesem Landstrich besteht vorwiegend aus Moslems, Christen, Oromo, Tigri und Konso. Im Ort Konso lebt fast ausschließlich Konsobevölkerung. Die Konso haben zu den Nachbarstämmen in der Umgebung kaum Kontakt. Ihr Siedlungsgebiet ist sehr klein und schwer zugänglich. Die Landschaft ist vulkanischen Ursprungs und sehr zerklüftet. Heute ist Markttag und der Dorfplatz ist überfüllt mit Marktvolk und droht aus den Nähten zu platzen.

Ein wirklicher Glücksfall, dass wir heute hier sein können, bei der ersten Reise war uns das nicht vergönnt. Die Frauen tragen ihre traditionelle Kleidung und Haartracht, sowie ihren Schmuck.

Alleine tauche ich im Menschengewirr unter, um ungestört fotografieren zu können und die Leute nicht zu verunsichern, wenn eine ganze Gruppe von Fremden auftaucht.


Die Konso sind für ihr handwerkliches Geschick bekannt und versorgen mit den von ihnen hergestellten Produkten die in der Umgebung lebenden Nomaden. Das Weben von Stoffen und die Metallverarbeitung ist Aufgabe der Männer, die Frauen gerben Leder und stellen Tongefäße her.
Die Marktorte wechseln im täglichen Rhythmus zwischen den einzelnen Orten der Region, wo jeweils viele verschiedene landwirtschaftliche Produkte wie Kaffee, Tabak, Gemüse und Getreide gegen Schlachtvieh und Salz eingetauscht werden. Sie sind außerdem Meister in Ackerbau und es geligt ihnen, dem kargen Boden einen höchstmöglichen Ertrag abzuringen.

Die Feldarbeit wird mit zweizackigen Hacken verrichtet, die Felder mit organischen Stoffen und Viehmist gedüngt. Das Handwerk sowie die Landwirtschaft haben sich seit Generationen nicht verändert.

Der Aufenthalt hier bei den Konso bleibt sicher ein einzigartiges, unvergessliches Erlebnis. Auf der Weiterfahrt treffen wir immer wieder noch auf kleine Gruppen von Konso, die vom Markt kommen oder zum Markt hinlaufen, Grund genug für uns, kurz Kontakt mit ihnen aufzunehmen.

Nach Konso wird die Landschaft offener und wir kommen an kleineren Dörfern vorbei. Es ist nicht einfach, in dieser Gegend einen geeigneten Zeltplatz zu finden. Schließlich bietet sich eine größere freie Stelle an, die aussieht wie ein verlassener Baustellenplatz für Straßenbau. Die Landschaft hier ist sehr beeindruckend und da uns nichts Anderes übrig bleibt schlagen wir hier die Zelte auf.








Erwartungsgemäß sind wir doch nicht weit genug von einem Dorf entfernt, denn bald ist eine größere Gruppe von Neugierigen aufgetaucht, um zu sehen, was hier los ist. Die Leute sind sehr freundlich und schauen sich ungeniert im Camp um. Einige haben den Viehtrieb in die Nähe unserer








Weyto
Von Konso aus geht es eine zeitlang bergab und die Piste ist ziemlich schlecht. Erst in der Ebene wird sie etwas besser. Schließlich gelangen wir zum Weytofluss, über den eine solide Betonbrücke führt. Wir sind erstaunt, hier den in der Karte eingezeichneten Ort gleichen Namens nicht vorzufinden. Rund herum eine eindrucksvolle Hügelkette, sonst nichts. Zunächst machen wir eine ausgedehnte Rast und nehmen ein erfrischendes Bad im Fluss.

Die Flussufer sind von dichtem Busch umgeben und an einer Stelle sehen wir einen Trampelpfad, der in den Busch hinein führt. Wir kämpfen uns eine Weile durch das dichte Unterholz und erreichen schließlich eine Lichtung und sind sehr erstaunt, hier die kläglichen Überreste von Hütten zu finden. Vermutlich ist dies das gesuchte Weyto. Auf der Lichtung versuchen wir uns so weit es geht auszubreiten, damit wir Platz für die Zelte erhalten. Auf der Weiterfahrt treffen wir wieder auf Einheimische, die die Straße entlang laufen und wir machen hin und wieder an solchen Stellen eine kurze Rast.


Die Banna
Bald erreichen wir den Ort Key Afer in den Banna-Bergen gelegen.

Auch hier haben wir Glück, dass Markttag ist. Außerhalb des Dorfes auf einem großen Platz bieten die Bewohner aus der näheren und weiteren Umgebung ihre Waren an.

Es handelt sich hauptsächlich um Stammesangehörige der Banna, Hamer und Ari, vereinzelt auch der Karo und Mursi. Alle diese Stämme haben sich im und um den Mago-Nationalpark herum angesiedelt. Es ist für Laien natürlich schwer, die Menschen hier den einzelnen Stämmen zuzuordnen, aber wir erfahren, dass es sich vorwiegend um Banna handelt.

Ich mische mich wie schon in Konso allein unter die Menschen, die hier ihre Waren anbieten. Ich finde schnell Kontakt zu den freundlichen Frauen und Kindern, die in kleinen Gruppen zusammen sitzen. Ich setze mich zu ihnen und die Scheu hat sich bald in fröhliche Stimmung gewandelt.


Die etwa 40.000 Banna sind Ackerbauern, die sich nur selten innerhalb des Parks bewegen. Sie sind verwandt mit dem Hamerstamm, der südlich von ihnen angesiedelt ist und die gleiche Sprache spricht. Auch sie sind Ackerbauern (Gemüse, Tabak, Baumwolle).

Die Banna sind sehr friedliche und freundliche Menschen. Ihre Hütten sind sehr geräumig und sie haben dort sorgfältig ihre Werkszeuge für die Feldarbeit untergebracht. Sie sind bekannt für ihre Freude an Tänzen und Ritualen. Der Tanz, Iwangadi genannt, wird von den jungen Männern und Frauen des Dorfes durchgeführt und dient der Brautwerbung. Er dauert oft mehrere Stunden. Leider müssen wir auch hier bald Abschied nehmen, doch die schönen Erlebnisse werden in Erinnerung bleiben.


Jinka
Nach dem Ort Kako erreichen wir bald Jinka, das Tor zum Mago Nationalpark. Auf der schönen Campsite des „Hotel Orit“ bleiben wir über Nacht.
Auf dem Dorfplatz grasen Kühe und plötzlich kommt dort Aktion auf. Alle Kühe werden von der Wiese getrieben und auch für Menschen ist der Platz gesperrt. Plötzlich hört man das Geräusch eines Kleinflugzeugs, das zu Landung auf der Dorfwiese ansetzt. Ein Mensch mit Uniform kommt nach der Landung mit einem Treppengestell näher und stellt es an die Ausstiegstür. Ein paar Touristen steigen aus, die Leiter wird entfernt, das Flugzeug startet wieder und allmählich füllt sich der Platz wieder mit Leben (Tier und Mensch). Im Ort bemühen wir uns, für den Besuch des Mursi- und Karo Stammes, einen ortskundigen Führer zu finden, der auch als Dolmetscher dienen kann. So treffen wir einen jungen Burschen namens „Oneworld“, der einen freundlichen und gewandten Eindruck macht und wir engagieren ihn bis zur Keniagrenze bei Omorate. Auf der Weiterfahrt zum Mago-Nationalpark müssen wir einen sehr steilen Bergpass überwinden. Selbst im ersten Allradgang und Untersetzung wird einem Angst und Bange beim Blick auf die Piste. Zwischendurch steigen wir sogar vom LKW herunter und bewaffnen uns mit Steinbrocken, um im Falle eines Falles, falls der LKW zurückrollt, diese unter die Reifen legen zu können. Aber wir schaffen es mit Müh und Not, immer bemüht, nicht anhalten zu müssen.

Mago-Nationalpark
Etwa 40 km nach Jinka ist die Grenze des Mago-Nationalparks erreicht. Der Park ist 2.200 qkm groß und liegt im Mittel 400m hoch in einer sanften Hügellandschaft.

Die bedeutendsten Flüsse sind der Mago und der Neri. Umgeben wird der Park von höheren Bergen, dem Mt. Mago (2.500m), den Mursibergen (1.650m) und den Bannabergen. Der größte Teil des Parks und die umliegenden Berge sind stark bewaldet, so dass man Tieren hier schwerlich begegnet.

Am Magofluss schlagen wir im dichten Busch die Zelte auf. Hier hat es vor nicht allzu langer Zeit geregnet und die Spuren sind überall sichtbar. Am nächsten Morgen wollen wir mit einem Führer eine Pirschfahrt durch den Park machen, nachdem dieser versichert hat, dass die Pisten dort nach dem Regen auch mit dem Lkw befahrbar sind. Also fahren wir los, aber nach einigen bedenklichen Moraststellen gibt es kein Weiterkommen, denn wir sind schon ein wenig eingesunken und versuchen jetzt, den LKW irgendwie umzudrehen und zurück zu fahren, was uns auch gelingt.


Omo-Region
Die Mursi
Allmählich gelangen wir in die Omoregion und erreichen die Mursiberge, benannt nach dem hier lebenden Stamm. Am Wegesrand treffen wir plötzlich auf eine Gruppe Mursi, die sogleich den LKW umlagert. Eine große Gruppe kommt zu unserem LKW und verhält sich sehr aufdringlich. Die Leute versuchen, alles vom LKW abzuschrauben und abzubrechen und sich ihrerseits ein Souvenir zu sichern. Unser Führer „Oneworld“, den wir in Jinka angeheuert haben, gibt den Leuten zu verstehen, dass sie sich zurückhalten müssen.

Die etwa 4.000 Mitglieder des Stammes sind eigentlich Nomaden, haben sich aber mehr und mehr zu Ackerbauern entwickelt. In der Trockenzeit leben sie auf den Hügeln und in der Regenzeit in der Tamasteppe. Nach der Regenzeit bauen sie hier Mais, Gemüse und Sorghum an. Die Rinder finden an den Hängen der Hügel ausreichend Wasser, in die Steppe werden sie wegen der Tsetseplage nicht geführt. Wir mischen uns unter die Menschen und besuchen später auch ihre Hütten, die etwas abseits von der Straße liegen.

Der Stamm der Mursi, eng verwandt mit dem Stamm der Surma, der östlich des Omo-Flusses im Omo-Nationalpark lebt, ist der kriegerischste der Region und es gibt ständige Auseinandersetzungen mit Nachbarn, bedingt durch Viehdiebstahl, aber zunehmend auch mit Stämmen aus den Grenzgebieten zu Nordkenia und Ostsudan. Sie sind mit uralten Flinten, aber immer mehr auch mit automatischen Waffen ausgestattet, die sie bei entsprechender Gelegenheit auch bedenkenlos einsetzen.


Die Mursi sind das „berühmteste und bekannteste“ Volk Südäthiopiens, bedingt durch die Tatsache, dass verheiratete Frauen als Schmuck sog. Lippenteller tragen, aus Lehm gebrannte Scheiben, die in eine Öffnung der Unterlippe geschoben werden können.

Die Prozedur beginnt mit dem Entfernen der unteren Schneidezähne, um so Platz zu schaffen für das spätere Einfügen der Tonscheibe. Dann wird die Unterlippe durchbohrt und ein kleiner Holzpflocks (ca. 4cm) eingefügt. Von Zeit zu Zeit wird dieser durch einen größeren ersetzt, so dass sich die Öffnung immer mehr weitet. Schließlich kann die Öffnung eine Scheibe von 10-15cm!! Durchmesser aufnehmen. Auch bei den Ohrläppchen wird so vorgegangen, wobei die Scheiben oder Pflöcke erheblich kleiner sind. Der Grund für diese Sitte ist bis heute umstritten.

Für Männer gibt es eine ebenso gefährliche Betätigung zum Beweis von Tapferkeit – der Stockkampf, bei dem man mit einer ca. 1.5m langen, keulenförmigen Stange aus Hartholz aufeinander losschlägt. Ziel ist es, den Gegner bewusstlos zu schlagen.

Vor dem Kampf bemalen die Kämpfer ihre Körper mit weißen oder farbigen Ornamenten, um Furcht erregender auszusehen.

Der Besuch hier war ein eindrucksvolles Erlebnis und wir haben ein paar schöne Szenen einfangen können.




Die Karo
Voller Erwartung fahren wir weiter in Richtung zum Omofluss, um den dort lebenden Stamm der Karo, der nur noch etwa 1.000 Angehörige zählt, zu besuchen. Ihr Lebensraum befindet sich am Unterlauf des Omo-Flusses, unterhalb der Stelle, an der der Mago-Fluss in den Omo mündet.
Schließlich erreichen wir den Omofluss und treffen dort auf ein Dorf der Karo, das unmittelbar am Flussufer liegt.
Wir werden freundlich empfangen und dürfen schließlich einen Rundgang durch das Dorf machen. Auch diese Menschen waren ursprünglich Nomaden, haben jedoch auch durch die Tsetsefliege eine große Anzahl an Rindern verloren, wodurch sie zum Ackerbau gezwungen wurden.

Typisch für die Männer des Stammes sind die Bemalung des Körpers mit Ornamenten und die Verzierung mit Schmucknarben zum Zeichen ihrer Tapferkeit. Dabei wird die Haut mit einer Rasierklinge eingeritzt, danach die Wunde mit Asche eingerieben, um die Heilung zu verzögern. Dadurch bilden sich auffällige, wulstige Narben. Eine besondere Attraktion ist es, wenn sich die Männer bei Kulttänzen den Oberkörper und auch die Beine mit bunten Ornamenten verzieren, womit sie viele Stunden beschäftigt sind. Auch Frauen bringen sich Schmucknarben als Schönheitssymbol bei.


Lake Dipa – Omorate
Weiter geht die Fahrt am Ostufer des Omo entlang. An dem kleinen, dicht bewachsenen Dida-See machen wir eine ausführliche Rast und schauen uns die Umgebung an.

Dann geht es weiter und wir erreichen den Ort Omorate, der nicht weit von der Keniagrenze entfernt liegt. Unweit von hier entfernt mündet der Omo in den Turkana-See, wo er ein riesiges Delta bildet.




Heute gibt es ein Festessen. Für wenig Geld haben wir eine Ziege gekauft und die soll heute das Festmenü bereichern, denn heute nehmen wir Abschied von Äthiopien. Zwei Jungs aus dem Dorf übernehmen das Schlachten und die „Msungus“ schauen zu. Nun müssen wir versuchen, von Omorate aus über die „grüne Grenze“ nach Kenia zu gelangen, ansonsten müssten wir den größten Teil der Strecke zurückfahren, um in Moyale an dem offiziellen Grenzübergang einzureisen. Der Polizeiposten von Äthiopien ist bereit, uns ausreisen zu lassen, da wir ein äthiopisches Visum haben, aber er kann uns keinen Ausreisestempel geben, da er keinen hat. Wir sollen uns in Ileret/Kenia bei der Polizei melden und dort fragen, wie es weiter gehen soll. Wir verabschieden uns von „Oneworld“ und fahren mit einem ortskundigen Führer durch das Niemandsland nach Kenia.








Schließlich erreichen wir Ileret am Turkanasee in Kenia und begeben uns sofort zum Polizeiposten. Auch er sieht keinen Grund, uns an der Einreise zu hindern, aber auch er hat keinen Stempel, um die Einreise im Pass zu vermerken. Er sagt uns, dass wir uns in Nairobi beim Immigration Officer melden müssen, damit wir dort den Einreisestempel nachträglich bekommen, da wir sonst bei der Ausreise am Airport in Nairobi mit Sicherheit Probleme bekommen. Wir versprechen ihm, dass wir seiner Anweisung Folge leisten werden. Einige Kilometer außerhalb von Ileret schlagen wir in der freien Natur unser Camp auf und sehen in der Ferne zum ersten Mal den Turkanasee.



Sibiloi Nationalpark
Die Route nach Süden führt durch den Sibiloi-Nationalpark, wo wir die Ausgrabungsstätten der ersten Menschenfunde in Koobi Fora und am Rande des Parks einen großen versteinerten Wald mit vielen fossilen Baumstämmen besuchen.



Loyengalani
Nach einem langen Fahrtag auf einer relativ guten Piste haben wir den Turkanasee erreicht, an dessen Ufer wir eine Weile entlang fahren, bis wir schließlich den Ort Loyengalani erreichen.

In der Oasis Lodge in Loyengalani, am Ufer des Turkanasees gelegen machen wir Station. Nach langer Zeit dürfen wir mal wieder in einem richtigen Bett schlafen und ein Bad in zwei schönen mit Quellwasser gefüllten Pools genießen.

Auch die Bar ist gut gefüllt, aber statt Quellwasser gibt es diverse Getränke, die zwar sehr teuer sind, aber darauf wollen wir heute keine Rücksicht nehmen. Auch reichlich Fisch steht auf der Speisekarte und der Koch zaubert ein herrliches Fischmenü.





Ein Besuch des Dorfes mit den ursprünglich gekleideten Menschen des Turkanastammes ist ein Erlebnis und der Fotoapparat kommt wieder auf seine Kosten.


Maralal - Baringosee – Nairobi
So klingt die Tour langsam aus. Über South Horr, das Horr- Valley, Baragoi gelangen wir nach Maralal, der Hauptstadt der Samburu. Weiter geht es zum Baringosee, wo wir auf der „Roberts-Campsite“ zum letzten Mal die Zelte aufstellen. Kurz vor der Campsite treffen wir auf eine Gruppe von Leuten des Pokot-Stammes, die sich ih ihrer typischen Stammestracht zeigen.

Morgen fahren wir über Nakuru und Naivasha nach Nairobi.


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